rohestheater Aachen
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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
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Bertolt Brechts Galilei
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Picasso
Wie man Wünsche beim Schwanz packt
2010/2011
Worte grenzen meine Welt
2010/2011
Worte grenzen meine Welt
2008/2009
Das Jüngste Gericht
2015/2016
Prima Klima

Mit unserer Produktion „prima klima“ feiert das rohestheater in diesem Jahr sein 25 jähriges Bestehen, in denen wir 31 Produktionen erarbeitet haben. Das ist für uns in diesem Jahr ein Grund, das rohestheater noch einmal neu zu denken. 

Theater als Schulkultur an einem technischen Gymnasium eines Berufskollegs für Technik hat sicherlich seine ganz eigene Entwicklung und Geschichte und ist in der bundesweiten Theaterlandschaft selten zu finden. Haben wir immer schon im Kollektiv gearbeitet, es sind u.a. in jedem Jahr ehemalige Schüler dabei, die den Arbeitsprozess stark prägen, so erfährt diese Herangehensweise in diesem Jahr noch einmal eine andere Variante, die auch im Kulturleben der Schule noch einmal anders verankert wurde.

Sicherlich war das rohestheater immer schon auch politisches Theater, doch bildete dafür das Textmaterial in der Regel den ersten Ausgangspunkt ( sieht man einmal von „1914-2014 Hurra“ ab), die aktuellen politischen Implikationen der Texte zeigten sich dann im Nachhinein.

In diesem Jahr stellten wir uns bewusst die Aufgabe aufgrund der Weltklimakonferenz in Paris uns inhaltlich und politisch mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen zu wollen, ohne dass wir dazu irgendwelche Textvorlagen schon im Auge gehabt hätten, die sich vielleicht für ein Theaterstück eignen würden. Stattdessen starteten wir vor den Sommerferien 2015 mit allen Schülern einer Jahrgangsstufe eine Projektwoche zum Thema Klimawandel, allerdings mit der Zielrichtung versehen, ggfs. Material für ein zukünftiges Theaterstück zu sammeln. Unterschiedlichste Projektgruppen arbeiteten so z.B. mit „Müll“, mit wissenschaftlicher Recherche im Internet, mit Videoaufnahmen für einen Film, mit tagespolitischen Informationen, mit der energietechnischen Analyse und Optimierung unseres Schulgebäudes und mit literarischem Material, um dem Thema auf die Spur zu kommen, was dann in einer Abschlusspräsentation in der Schule ausgewertet wurde. 

Auch wenn die diesjährige Schell-Jugendstudie zu etwas anderen Ergebnissen gelangt, so fiel uns doch erneut wieder auf, dass unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerade auch an einer technischen Schule mit lokaler, landes- und bundesweiter sowie globaler Politik wenig am Hut haben und in ganz anderen privat-digitalen Welten unterwegs sind. Von politischem Interesse und Informiertsein oder gar von einer eigenen politischen Position sind sie in der Regel weit entfernt. 

Es stellte sich also die Aufgabe, genau das mit den Jugendlichen zu erarbeiten, so dass die theaterästhetische Auseinandersetzung erst einmal hinten an stand. Wir sind dazu auf die bundesweit beachtete Garzweiler-Demonstration im rheinischen Braunkohlerevier gegangen, das direkt vor unserer Haustür liegt, wir haben gegen das belgische Atomkraftwerk in Thiange in unserer Nachbarschaft in Belgien demonstriert und hatten vor, nach Paris zur Weltklimakonferenz zu fahren, doch wurde die Demonstration dort vom französischen Staat aufgrund der Attentate in Paris verboten, so dass wir auf die lokale Demonstration in Aachen ausweichen mussten. Für viele Schüler war es das erste Mal, dass

sie auf einer Demonstration waren und sie konnten dabei feststellen, dass es vor allem ältere Menschen sind, die sich dort engagieren.

In der Zwischenzeit haben wir während der Proben immer wieder Diskussionsrunden gebildet und über das Thema uns informiert und diskutiert. Es wurden Filme gesehen, ein Maschinenbaustudent mit seinem solarbetrieben Wasseraufbereitungsprojekt für wenig entwickelte Länder und ein Professor für Klimatologie der RWTH Aachen eingeladen, um  vielfältige Anregungen zu erhalten.

Die eigentliche Theaterarbeit von „prima klima“ stützt sich vor allem auf eigene Schülertexte und wurde zunehmend durch literarisches und dokumentarisches Material ergänzt. Dabei war es uns wichtig, die unterschiedlichen Positionen und die eigenen Haltungen der Schüler auch zum Thema zu machen. Das Ganze fügt sich dann langsam in den eigenen theaterästhetischen Prozess des rohestheater, der Wert darauf legt, alle zu beteiligen und „Statisten“ zu vermeiden. Die Chor- und Tanzpartien sind dementsprechend von großer Bedeutung und bilden neben den Schülerdialogen einen entscheidenden Schwerpunkt der Arbeit.

Schon der Titel zeigt Ambivalenzen auf, die wir bei der Suche nach Textmaterial bewusst mit einbezogen haben. Als literarisches Grundgerüst kristallisierte sich Schritt für Schritt das Märchen vom Fischer und seiner Frau heraus, es kamen Textauszüge aus Goethes Faust, dem Prometheus und dem Zauberlehrling hinzu. Betroffenenberichte aus aller Welt und Songs verschiedenster Herkunft komplettieren das Textkonzept. Vieles weitere wurde z.T. ausprobiert und wieder verworfen. 

Die Bühne ist in diesem Jahr so konzipiert, dass sie gleichzeitig Projektionsfläche ist, so dass ein Spiel im Film bzw. Bild ermöglicht wird. Gleichzeitig ist die schiefe Ebene ein Bild für das Kippen des Geschehens.

Die Kostüme sind in diesem Jahr sehr aufwendig aus weißer second-hand Kleidung erarbeitet. Sie sind mit Naturfarben aufwendig gefärbt worden und mit Abfallresten appliziert. Angeregt haben diese Gestaltung umgewandelte Müllprodukte aus der Projektwoche. Thematisch greifen sie das Grimms Märchen als roten Faden auf. 

Herausgekommen ist bei alle dem hoffentlich ein Theaterstück, das den Versuch unternimmt,  politisches Bewusstsein und Handeln mit dem Theaterspielen auf der Bühne so zu verbinden, dass sich daraus ein eigenes theaterästhetisches Produkt ergibt.

Eckhard Debour

Schauspieler*innen:
Patrick Achtelik, Philipp Achten, Franzi Bergrath, Matthias Dötsch, Saskia Fritzen, Teresa Graf, Till Gutmann, Denise Heup, Justine Fee Kessler, Jost Köbernik, Leonardo Korinth, Luise Krings, Niklas Medvey, Max Mertens,  Anna Müller, Max Rehne, Marek von Salzen,  Lukas Schröder, Christian Spiekermann, Johanna Ungermann, Giulia Valter, Gabriel Wirtz, Jonas Wolf

Technik:
Tobias Bartlog, David Bonk, Tobias Frings, Christin Grooz, Jonas Kähler, Yannic Kitten, Marco Meuser,Theresa Mohr, Nicole Mrozik, Christoph Pelzer, Daniel Windeck

Technikleitung:
Manuel Kleen, Jens Richard, Wilfried Schumacher

Organisation:
Theresa Mohr

Programmheft:
Lukas Friese

Foto/Video:
Wilfried Schumacher


Regie:
Patrick Achtelik, Eckhard Debour, Gerhard Gumprecht, Till Gutmann, Hendrik Kung, Sarah Mertes,
Jacob von Byern

Kostüm:
Ulrike Gutmann, Andrea Kafka, Nicole Mrozik

Film:
Nico Tournay, Andrea Kafka

Wir danken:
den Eltern der Schüler, der Schulleiterin der Mies- van-der-Rohe Schule, Ute Dreser, den Hausmeistern Jürgen Döring und Wilfried Schumacher, Dorette Christfreund und der Klasse 12 aus der Fachoberschule für Gestaltung im BkGuT für das Plakat, der LAG Arbeit-Bildung-Kultur NRW e.V. und Kultur und Schule NRW.

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